Entstehung

Ortsgeschichtlicher Rückblick

Während der großen germanischen Völkerwanderung drangen im 4. Jahrhundert in unsere Gegend die Alemanen ein, die im 6. Jahrhundert von den machtigen Franken unterworfen und christianisiert worden sind.

Zur Zeit Karl des Großen gehörte unser Gebiet zum Speyergau und war seit der Teilung des Frankenreiches (Verdun-Vertrag von 843) ein Glied im ostfrankischen Reich, dem heutigen Deutschland.

Zu dieser Zeit gab es keine politische Grenze, weite Gebiete des Elsaß waren dem Speyergau einverleibt.

Für Berg’s Vergangenheit ist am bedeutendsten sein altes Rittergeschlecht. das von hohem Rang und Einfluß war. ÄIteste Nachrichten von ihm gehen bis ins 12. Jahrhundert zurück, wo ein Wezelo von Bergen unter den Ministerialen des Bischofs von Speyer erscheint, aber auch als Zeuge in kaiserlichen Urkunden oder gar als Begleiter des Königs Heinrich Vl. In Monumenta Germaniae Historica „Die Reichsministerialität der Salier und Staufer“ lesen wir:

„Besonders eindrucksvoll scheint der Hoftag Heinrich Vl im Mai 1194 gewesen zu sein, an dem aus den Reihen der pfälzischen Reichsdienstmannen neben anderen nicht erwähnten u.a. Wezel von Berg – er steht an erster Stelle – teilnahmen, also lauter Reichsministerialen, die rings um den Trifels saßen oder auf ihm Dienst taten.

Schon 1155 Dez. 18 traten als Zeugen eines auf dem Trifels ausgestellten Diploms Barbarossas acht Männer ohne Zusatz auf. Sie lassen sich zweifellos als Reichsministerialen deuten und zwar als die Hauptvertreter der Trifels Burgmannschaft. Erfreulicherweise können wir davon Wezel von Berg 1154 (bei Germersheim oder an der Lauter) feststellen.“

Ein andersmal finden wir Wezelo als bedeutende Figur in „Schreibmüller-Pfälzer Reichsministerialen so: „Ebenso ist von den bischöflich-speirischen Ministerialen zu den Reichsministerialen übergetreten Wezelo von Bergen, der von ungefähr 1150 – 1198 nachweisbar ist. Unter Wezelos Obhut standen noch 1198 die aus Sizilien 1195 auf den Trifels in strengste Gefangenschaft gebrachten Aufrührer“. In dieser Sonderaufgabe spiegelt sich bei Wezelo Treue und Zuverlässigkeit zu seinem Herrn.

Auch zu der Stadt Speyer haben die Ritter von Bergen ein unmittelbares Bewandtnis. So ist Wicelinus von Bergen als Zeugen benannt in der Urkunde vom 27.5.1182, derzufolge Kaiser Friedrich I im Streit zwischen weltlicher und geistlicher Macht der Stadt Speyer die ihr eingeräumten Freiheiten bestätigt und erläutert.

In einem anderen Fall ist Wezelo von Bergen ein Zeuge, als es mit Urkunde vom 21.1.1198 um eine Übereinkunft des Herzogs Philipp von Schwaben mit der Stadt in Betreff der Verpflegung seines Heeres und seine Bestätigung der städtischen Privilegien geht. (Urkunde zur Geschichte der Stadt Speyer von Alfred Hilgard, Straßburg 1885).

1197 ist von der „Burg Bergen“ des Wezelo von Bergen die Rede. Anfängliche Zweifel, ob es sich dabei um unsern Ort handelt, konnten ganz behoben werden. Einige Angehörige des Geschlechts waren Äbte in Limburg (Seifried 1549? und Klingenmünster Rudolf 1408).

Wezelo von Bergen kommt übrigens auch in anderen Eußerthaler und Speyerer Urkunden von 1176-1194 vor.

Auf Wezelo, der von ungefähr 1150 bis 1198 nachweisbar ist, folgen Wicelinus v. Bergen. Adolf von Bergen, Cunradus v. Bergen und ein Hermann von Bergen schließt die Reihe um 1344.

Urkundlich wird unser Ort zum ersten Mal im Jahre 1176 genannt, (Handbuch Bistum Speyer-Dekanat Kandel) aber seine Existenz liegt viel weiter zurück. Als Dorf wird es nämlich im Buchband „Die Kunstdenkmäler von Bayern-Pfalz V, Bezirksamt Germersheim, erschienen 1837 im Verlag R. Oldenbourg München, bereits 819 als Berge erwähnt. Diese Zeitangabe wird übrigens erhärtet im Heimatbuch der badischen Gemeinde AU am Rhein, wo es auf Seite 46 heißt: „Im Jahre 819 am 3. August, wurde zu Augia (AU) eine Urkunde ausgestellt, die festhält, daß Meginher und Wigbald dem Kloster Weißenburg zum Seelenheil des Walbert allen Besitz vermachen, den dieser in den Gemeinden Forstfeld/Elsaß, Frankenheim (eine Wüstung bei Seltz) und Berg in Rheinland-Pfalz zu eigen hatte.“

An anderer Stelle wird Berg sogar bereits 754 erwähnt, nämlich im Werk des Strasburger Geschichtsprofessors Johann Daniel Schoeplin „Alsatia illustrata, celtica, romana, fancicia“. Darin heißt es: „Das Dorf Bergen, in dem Adala einen Schenkungsbrief für das Kloster Hornbach im Jahre 754 gegeben hat, scheint das Dorf Bergen an der Lauter zu sein, wo sie in den Rhein mündet.“

Im Jahre 1281 als Hagenbach zum Reichsstädtchen erhoben wurde, kam Berg- und wahrscheinlich mit ihm auch die linksrheinischen Nachbarorte Pfortz, Wörth und Vorlach-zur Vogtei Hagenbach. Mit der Übernahme der Stadt und Burgvogtei Hagenbach durch den Kurfürst von der Pfalz gelangte auch Berg im Jahr 1407 in kurfürstlichen Besitz. In den Jahren 1793 bis 1815 war Berg französisch und unterstand dem damaligen Kanton Lauterburg. Nach dem Wiener Kongreß von 1815 kam Berg schließlich zur bayrischen Pfalz bzw. zum Kanton Kandel und gehörte seit Ende des 2. Weltkrieges zum Bundesland Rheinland-Pfalz.

Der Dreißigjährige Krieg brachte für unsern Ort zunächst die Reformation durch die Kurpfalz. Nach dem Grundsatz „cuius regio, eius religio“-Wer die Herrschaft hat, der bestimmt auch die Religionszugehörigkeit -wurden die Bewohner protestantisch; denn Berg war ja zu diesem Zeitpunkt kurfürstliches Besitztum und der Kurfürst Protestant. Als Ludwig XIV. der Sonnenkönig von Frankreich die Pfalz bis zur Queich besetzte, wurden unsere Vorfahren nach dessen Grundsatz „un roi, un loi, un foi“ – ein König, ein Gesetz, ein Glaube-im Jahre 1680 wieder katholisch.

In der Zeit des spanischen Erbfolgekrieges wurde unsere Kirche, damals noch eine Kapelle, von französischen Truppen zum Kriegsgebrauch hergerichtet (1709). In dieser Zeit fiel auch die Anlegung der Weissenburger Linien im unteren Lautertal durch den französischen Marschall Villard. Die meisten Schanzen (Redouten), Erdwälle und Schleusendämme, die wir im Bienwald und in unserer Gegend vorfinden, stammen aus den Zeiten des spanischen Erbfolgekrieges (1701-1714) und der französ. Revolutionskämpfe (1792-1793). (Nicht verwechseln mit den Laufgräben des 2. Weltkrieges 1939-1945).

In all den endlosen kriegerischen Auseinandersetzungen, angefangen von den Kämpfen der Germanen mit den Römern über den Dreißigjährigen Krieg bis zu den französischen Revolutionskriegen: Immer haben die wechselvollen Schicksale unseres deutschen Vaterlandes auch unsere engere Heimat betroffen. Berg liegt. man kann es so beschreiben, auf einem vom Blut der Volker getränkten Boden.

Besonders im Kriegsjahr 1793 war unsere Gegend ein einziges großes Heerlager. Berg-Neuburg-Hagenbach waren Stützpunkte der Kaiserlichen das heißt der Deutschen und Österreicher. In das Jahr 1793 fällt auch die Zerstörung des Berger Schlosses. Daß Berg eine von den Kriegswirren stark heimgesuchte Gemeinde war bestätigt mit besonderem Nachdruck die nur noch in wenigen Exemplarell vorlhalndene Lauterburger Stadtgeschichte, in der im .,Kapitel der großen französischen Revolution“ das Dorf Berg allein 8 mal Erwähnung findet. Gab es damals schon Materialschlachten? Ein Kugelfeuer auf jeden Fall, wenn man die Meldung an das bischöfliche Oberamt Lauterburg zur Kenntnis nimmt: ,,Im Böhnwald sind mehner denn tausend Bäume, worauf 5 bis l0 Kugeln stecken. Nun fangen Buben und erwachsene Leuthe an, die Kugeln auszuhauen. wodurch diese Bäume gänzlich verderben.“ Die Einwohner von Berg hatten sicherlich schon damals schreckliche Tage zu überstehen, sind geflohen oder hielten sich in den Kellern verborgen. Es bestätigt sich an diesen Beispielen, verglichen mit den Kriegsereignissen 1939-45, speziell inbezug auf die Evakuierungen der Bevölkerung und die großen Schäden im Gemeindewald, daß alles schon einmal da war, sich im Zeitenablauf wiederholt.

Unser Gemeindename

Jedes Ding hat einen Namen-unser Dorf heißt B e r g /Pfalz

Seine ursprüngliche Bezeichnung im Jahre 819 war Berge. Um 1282 hieß es Bergen, 1464 wieder Berge, 1468-1470 sogar Berck, ab 1786 Berg und schließlich seit dem 18.5.1952 Berg mit dem Zusatz „(Pfalz)“.

Über die Namensentstehung gibt es folgende Deutung: „Das Dorf hat seinen Namen von seiner Lage auf dem Hochufer, also von der Rheinniederung her gesehen „uf demo Berge“. Nach einer anderen frühgeschichtlichen Untersuchung in „Die Siedlungsnamen der Pfalz“ sprechen siedlunggeschichtliche und lautliche Gründe für ein ursprüngliches Bergheim am Rhein, in dem unser Berg einen Doppelgänger hatte. Denn unser Berg und ein Rheinberg hatten höchstwahrscheinlich den gemeinsamen Namen „Bergheim“ und sind über Berg-Barken – Bergk-Berck zu ihren heutigen Namen gekommen. Beide Orte liegen auf dem Hochufer des alten Rheins. Den Unterschied zur Rheinaue legte hier die schematische Bezeichnung der Siedlung durch die Franken als „Bergheim“ nahe. Hier wie dort erfuhr die Endung – heim seit dem 12. Jahrhundert in der Mundart eine Abschwächung bis zum völligen Schwund. Unser Dorf lautet im heutigen Volksmund „Berch“. Auffallend bleibt bei der obigen Deutung nur der frühe Beleg aus 819 „ad Berge“.

Meyers Orts- und Verkehrslexikon (Ausgabe 1916) zählt 270 Berg: Berg, Am Berg, Auf dem Berg, Im Berg, Berge, Am Berge, Auf dem Berge, Bergen, In den Bergen und ähnliche allein für das ehemalige Deutsche Reich auf; dazu kommen aber noch fast 50 entsprechende Benennungen im Bereich des damaligen Staates Österreich-Ungarn, der Schweiz und Luxemburgs.

Wir sind also dem Namen nach als Berg nicht allein in Europa, sondern haben um uns eine ganze Fülle von Namensschwestern. Nach des Pfarrers Michael Frey bedeutungsvollen Rheinkreisbeschreibung, Speyer 1836-1837 „hat wahrscheinlich das Dorf seinen Namen einem Ritter Wezelo von Bergen geliehen, welcher der Bewilligung des Bischofs Konrad von Speyer seine Zustimmung gegeben hat, daß die Mönche sich des Weidstrichs, Kipp- und Bauholzes im Scheidwald-Striche des Bienwaldes (Breitwald) erfreuen durften“.

Kurz und bündig wird unser Ort bei „Michael Frey“ so beschrieben: „Dorf, 3 1/4 gewöhnliche Stunden südwärts von Kandel, hart an der südlich vorüberziehenden Gränzlauter und theilweise im Rheinthal, theilweise aber auf dem Hochufer des Rheins gelegen, zählte früher zur Herrschaft und Burg des zweibrückischen Amtsstädtchens Hagenbach, mit dem es sohin das Geschichtliche in seiner Weise gemein hat.“

In der Tat: Berg’s geographische Lage ist einzigartig. Wir liegen an der wichtigen Eisenbahnlinie Ludwigshafen-Straßburg. Im Süden die deutsch-französische Grenze mit dem uns gegenüberliegenden elsässischen Städtchen Lauterbourg und dem lieblichen Unterelsaß mit seinen welligen Hängen; die Grenze stößt heute nicht mehr ab, sondern zieht an nach weit und breit.

Von Westen nach Norden werden wir vom nahen Bienwald umsäumt. Das Rheinhochgestade mit der sich unten in der Rheinau vorbeischlängelnden Wieslauter gibt Berg ein romantisches Landschaftsbild. Und schließlich nur ein Kilometer ostwärts von der Berg-Neuburger Gemarkungsgrenze fließt Deutschlands Strom, der Rhein.

Daß Berg vermöge seiner geographischen Lage ein gern gesuchter Ort ist, in dem es sich lohnt zu leben und den Mittelpunkt seiner Lebensbeziehungen zu gründen, Iäßt sich aus der Erfahrung ableiten, daß wir bei dem Verkauf von Bauplätzen an Fremde immer ein bevorzugter Partner waren.

Ja, es wird ein altes Sprichwort zum Wahrwort: „Wer einmal Berger Wasser getrunken, geht nicht mehr von ihm fort.“

Schade nur, daß wir die häßlichen Schnaken als peinigende Begleiter haben. Doch trösten wir uns damit „Nicht Rosen bloß, auch Dornen hat der Himmel“.

Dieser Text stammt aus der Ortschronik von Ludwig Stehle (1980)
Bearbeitet von Dr. Hans-Peter Meyer und Joachim Möller (2001)