Mühle

Die Berger Mühle

Es ist kein falscher Stolz für eine Gemeinde, wenn sie, einerlei auf welchem Gebiet, eine historische Vergangenheit nachzuweisen hat. Berg mit gleich vier Arten geschichtlicher Funde, die „ausgegraben“ zu werden verdienen, ist eine solche Gemeinde.

Diese vier historischen Fälle sind:
a) die unsere Gemarkung durchquerende Römerstraße
b) unsere Kirchen,
c) das ehemalige Berger Schloß,
d) die aus dem 17. Jahrhundert stammenden Mühle.

Ihr gelten die folgenden Aufzeichnungen.

Bereits in der Volksschule haben wir im Rahmen des Lehrstoffes „Heimatkunde“ die Berger Mühle kennen gelernt. Wir schätzen sie und sind mit ihr eng verbunden.

Bauherr war nicht wie bisher angenommen worden war, der Bischof von Speyer sondern, nach dem urkundlich nachgewiesenen Eigentums- und Verpachtungsrecht zu schließen, die kurpälzische Hofkammer. Kann auch das Geburts- bzw. Baujahr nicht mit letzter Sicherheit aufgespürt werden, so stehen uns doch einige Anhaltspunkte und Daten zur Verfügung, die in Bezug auf ihr Alter wertvolle Hinweise sind. Zunächst ist es ein Archivblatt aus dem Jahr 1613, „Erforschung der Berger Kirchengüter“ und zwar über die Lagebeschreibung von Kirchengrundstücken an Stelle von Plannummern, die es damals noch nicht gab. So heißt es einmal: „Dreihalb Morgen Aecker samt einem Berg, der Pfaffengarten genannt, südseits nebs Jakob Jolters, anderseit der Heiligengarten, stößt hinten auf den Mühlbach und vorne auf die gemeine Straß.“ Ein andermal so: „Zwei Morgen und drei Viertel Acker der Heiliggarten genannt, oberort des Pfaffengarten, unterort Straße Bürger Vender zu der Alt-Mühlbach, oben zu der Kirchhofpfad.“ Der letzte Text wird deshalb gerne zitiert, weil darin der Friedhofspfad vorkommt, von dem die älteren Berger der Überlieferung gemäß immer wieder erzählen. Somit hat in diesem Zusammenhang der sogenannte Friedhofspfad von der Kirche ab, entlang des Lauterhanges bis zum Friedhof eine gewisse Bestätigung gefunden.

Selbst dann, wenn der bereits 1613 zweimal genannte „Mühlbach“ noch keinen schlüssigen Beweis auf eine existente Mühle zuläßt, so liegt doch immerhin schon eine hohe Wahrscheinlichkeit hierzu sehr nahe. Das Vorhandensein einer Mühle wird indessen in einem Schreiben der Kurpfälzischen Hofkammer Mannheim vom 16. Juli 1743, in dem die neuen Pachtbedingungen für die Erbbestandsmühle augehandelt worden sind, unmißverständlich deutlich gemacht, als in einem Nebensatz zu lesen steht, „mithin um solche Pacht, wie solche im Jahr 1679.“ Damit ist geradezu in einer jeden Zweifel ausschließenden Weise ausgesagt und erwiesen, daß im Jahr 1679 eine Mühle de facto vorhanden und verpachtet war. Schließlich bringt ein ganz anderer Archiv-Beleg, U 7 – 29, Hagenbacher Amts- und Grenzbeforchung von 1602 noch etwas mehr Licht in das Alter der Berger Mühle, wenn es dort heißt: „Daß das Reisig in sich das Dorf Berg hat samt derselben Mühl.“ 1602 ist somit das früheste Datum bezüglich des Alters der Berger Mühle. Bislang in Festschriften oder sonstwo veröffentlichte Daten abweichender Art dürften insoweit als überholt gelten.

Auf der Suche nach dem Alter der Mühle bringt jedoch das gleiche Schreiben der Hofkammer vom 16. Juli 1743 etwas Verwirrung hinein. Während darin einmal davon die Rede ist, daß im Jahr 1700 neben der Mühle sieben Morgen Wiesen und ein Hausplatz zur Erbauung einer Scheune mit Stallung vergeben worden sind. steht auf der nächsten Seite, daß das hierzu erforderliche Bauholz gratis nicht nur für die Scheune und Stall sondern auch für die Mühle und zwar zum ersten Mal zugestanden wird. Vielleicht kann man diesen Widerspruch so erklären. daß mit diesem Holz die bestehende Mühle lediglich umgebaut worden ist. Diese Vermutung liegt deshalb sehr nahe, weil an anderer Stelle steht, daß der Vater der Müllerin die Mahl- und Ohligmühle bereits zweimal mit sehr großen Kosten ausgebaut hatte. Neben den drei genannten Jahreszahlen 1602, 1613 und 1679 gibt es auch eine vierte: sie findet sich in der Ausgabe „Die Kunstdenkmäler von Bayern-Pfalz Band V Bezirksamt Germersheim. Darin wird die Mühle so beschrieben: Zweigeschossiger Putzbau mit Mansardendach. „Um 1730.“ Westlich davon Waschhalle, bachseitig offen mit flachem Walmdach.

Lassen wir es bei diesen vier Jahreszahlen.

Ein besonderes Kapitel waren immer die der Erbpacht zugrundeliegenden Auflagen für die Pächter der Erbbestandsmühle. Aktenmäßig lauteten die Bedingungen bei den Erbverpachtungen, wie zum Beispiel 1696, auf 70 Malter Korn und 24 Gulden. Die Konditionen waren differenziert. Einmal waren es 70, dann 50 und 40 Malter Korn, 24 und 11 Gulden und auch mal 2 Mastschweine, alles jährlich.

Inbezug auf die Malter Korn ist einmal von Hagenbacher Maßung die Rede, ohne sie genauer zu nennen. Im allgemeinen lag das altdeutsche Getreidemaß „Malter“ bei 100 – 150 Liter. (Knaurs Lexikon 1974).

Das Mühlengeschäft scheint in jener Zeit keine kostendeckende Rendite abgeworfen zu haben, denn die Erbpächter waren immer nur unter erschwerten Umständen in der Lage, der kurpfälzischen Hofkammer gegenüber ihr Soll zu erfüllen. Wie ein roter Faden ziehen sich die alljährlich wiederkehrenden Bittgesuche an ihre Durchlaucht, die Gnädigste Hoheit, des Kurfürsten in Mannheim, auf Ermäßigung oder in Geld. Im Jahr 1746/47 hat es die Müllerin besonders schwer gehabt. Als nämlich die Franzosen in der sogenannten Weißenburger Linie bei Lauterburg eine „Schließ“ mit strategischem Hintergrund in die Wieslauter einbauten, war der Müllerin durch die sich lang hinziehende Baumaßnahme vom 6. Juli 1746 ab auf die Dauer von 20 Wochen das Wasser entzogen und mußte, wie es wörtlich heißt, in der besten Jahreszeit das Mahlen einstellen. Kein Einkommen in diesem Jahr war die Folge. Infolge des so erlittenen Schadens wurden der Müllerin auf dem kurfürstlichen Gnadenweg die geschuldeten 50 Malter Korn auf 30 reduziert und das Geld mit 11 Gulden ganz erlassen, zumal die Müllerin, so wörtlich in der Begründung durch die Hofkammer, eine mit 10 Kindern baladene Wittib (Witwe) war.

Man kann zwar nicht sagen, daß die kurfürstliche Hofkammer in diesem Fall oder bei anderen Anlässen ausgesprochen herzlos war, aber in der Wahrung ihrer Interessen, die von der Kellerei und dem Oberamt Germersheim vertreten wurden, ging sie im gewissen Sinne doch hart vor.

Mag die Müllerin eine nach dem Volkslied besungene schöne Müllerin gewesen sein – so war sie auch arm. Doch schön und arm sind keine Gegensätze.

Wer waren die Pächter oder die Inhaber

War es im Teil I möglich, nachzuweisen, daß 1602 oder 1613 am Mühlbach, mit dem nur unsere Wieslauter gemeint sein kann, eine Mühle stand, so ist es nicht gelungen, zurückzuverfolgen, wer damals die Pächter oder Inhaber waren. Selbst in der Verpachtung 1696 – 1699 finden wir in den Archivbelegen noch keine Namen; erst in der Verpachtung von 1700 kommen sie erstmals vor.

1. Bei der Übergabe der Mühle nebst Hausplatz und 7 Morgen Wiesen auf dem Wege des Erbbestandes am 10. Mai 1700 waren Johann Haber (später wiederholt Heberer genannt) und dessen eheliche Hausfrau Anna Katherina, die als Nr 1 nachgewiesenen Erbbeständler. Den Begriff Erbbestand gibt es heute nicht mehr, er scheint mit der derzeitigen Erbbau oder Erbpacht weitgehend identisch zu sein.
Der Erbbestand erstreckte sich nicht nur auf die eigentlichen Erwerber, sondern auch auf den rechtmäßigen Leiberben. Der Übernahmepreis bei der Übergabe 1700 bestand in 1500 Gulden Erbkaufschilling, sowie einer jährlich wiederkehrenden Naturalienleistung zu 70 Malter Korn und 5 Gulden in Geld. Im Laufe der Zeit haben sich die Konditionen geändert, sowohl nach oben wie nach unten.
Ein wichtiger Bestandteil der Bedingungen, auf deren strikten Einhaltung die kurfürstliche Hofkammer unablässig ihr besonderes Augenmerk richtete, war die laufende Unterhaltung der Mühle und des Wasserbaues. Unter Wasserbau zu verstehen waren die zu einer Wassermühle erforderlichen Bauten wie Dämme, Deiche, Wehranlagen und der Mühlkanal.
Der Ehemann Johann Haber muß schon früh verstorben sein, denn die Witwe Anna Katherina hat bereits im Jahr 1709 den zweiten Mann, Peter Kuhn, geheiratet. Als auch die Müllerin Haber-Kuhn verstarb, ging die Mühle mit dem dazu gehörigen Land auf deren zwei Habertöchter Anna-Maria und Katherina zu gleichen Teilen über. Anna-Maria hat mit Christoph Härter (später Harder) aus Berg, und die Katherina mit einem Johann Weiß aus Weißenburg die Ehe geschlossen. Nach dem Tod von Christoph Härter (Harder) hat die Witwe Anna-Maria die Mühle allein übernommen und an ihre Schwester einen Erbteil von 3500.- Gulden hinausbezahlt.
Die Müllerin Anna-Maria, meist Härters Witwe genannt, hatte es mit ihren Kindern und einem weniger gut gehenden Betrieb samt den all auf ihn lastenden Verpflichtungen in ihrem weiteren Leben nicht leicht gehabt. Im Gegenteil, sie hatte viele Prüfungen zu bestehen, muß aber, wie es ihre Auseinandersetzungen mit der Hofkammer bestätigen, eine mit Mut und Tatkraft begnadete Geschäftsfrau gewesen sein.
Wie lange die Witwe Härter die Mühle selbst geführt hat, läßt sich nicht nachweisen, l754 hat sie noch gelebt.

2. Nachfolger waren die Eheleute Ferdinand Harder und Maria-Katherina Hoffmann, beide aus Berg. Es steht außer Zweifel, daß dieser Ferdinand Harder ein Härtersohn war, nachdem inzwischen, wie damals so üblich, aus der Schreibweise Härter ein Harder geworden ist. Es besteht mithin zu den Vorgängern Härter ein verwandtschaftlicher Familienzusammenhang. Die Eheleute Harder-Hoffmann sind übrigens die beiden, deren Namen und Daten auf dem Grabstein am südlichen Kircheneingang heute noch stehen. Die Inschrift lautet: Ferdinand Harder, Müller und Schultheiß, geb. am 14.3.1762, gestorben am 15.9.1801 in Berg und Maria Katherina Hoffmann geb. 17.12.1762, gest. 30.11.1796. Dieser Grabstein genießt Denkmalschutz und wird in einem Archivblatt beschrieben: Grabstein an der Südseite der Kirche außen. Der Stein träge einen Akroteriengiebel, Rotsandstein, Höhe etwa 1.55 m.

3. Mit Ludwig Anton Berizzi und Harder Maria Josepha beginnt die Aera Berizzi. (Frühere Schreibweise Beritzi, Berizzi, Barizi, Bärizi) Der Mann ist am 4.1.1782 in Rülzheim, die Frau am 20.11.1788 in Berg geboren. Maria Josepha ist ein Nachkomme der Christoph-Härterlinie, später als Harder geschrieben. Ludwig Anton Berizzi ist ein Enkel des im Jahre 1755 aus Cremona/ltalien nach Rülzheim zugewanderten Peter-Anton Berizzi.
Maria-Josepha Berizzi geb. Harder ist uns bekannt als die Mutter der Armen. Ihr zuliebe soll an dieser Stelle aus Dank die heute noch gut lesbare Inschrift auf dem Berger Friedhof-Grabstein gebracht werden. Sie lautet:
Im Grabe ruht die Mutter der Armen Gott wolle sich ihrer erbarmen. Tränen des Dankes fallen herab von Greisen und Kindern der Besten aufs Grab.
Wer wird je vergessen das 1846er Jahr wo sie die Mutter der Armen stets war Kindern durch Hunger bleich und abgezehrt hat sie mit Freude durch Speise ernährt.
So sollen auch Greise und Kranke der Guten viel tausend mal Danke, denn nur den Armen helfen und geben war von jeher ihr großes Bestreben.
Doch leider waren auf ihrer Lebensbahn Glück und Ruhe nicht stets obenan. Dornen auf ihrem ganzen Weg zerstreut zerstört oft ihre Wünsche und Zufriedenheit.
Der ferne Trost in späteren Zeiten zu ihrer und ihrer Kinder Freuden das Leben mit Eintracht noch zu genießen ward durch den Tod ihr entrissen.

4. Alsdann folgen als nächste Mühlenbesitzer Josef Berizzi – Theresia Lederle um die Jahre 1830, die beide zuletzt in Maximiliansau wohnhaft gewesen und dort verstorben sind.

5. Die Reihe wird fortgesetzt mit Berizzi Ferdinand – Rosalie Weigel, etwa um die Jahre 1860-1890. Die Frau stammt aus Rheinzabern.

6. Berizzi Ferdinand Gustav – Koch Johanna führten die Mühle von etwa 1895 – 1924. Die Frau stammte aus Heiligenstein.

7. Nach seines Vaters Tod am 28.5.1924 übernahm Hans Berizzi die Mühle. Eheschließung am 22.1.1936 mit Ella Langendörfer aus Weingarten/Baden. Hans und Ella B. haben einige Jahre zwei Mühlen betrieben, die elterliche der Frau in Weingarten und die Berger Mühle bis 1973.

8. Schließlich mündete die länger als 170 Jahre währende Ahnenreihe Harder-Berizzi in die Nachfolger und jetztige Besitzerfamilie Häusler Hermann – Ulrike Häusler-Berizzi.
Generationen kamen und gingen. Die Berger Mühle überlebte Epochen, Kriege und Krisenzeiten und präsentiert sich heute kräftiger, größer und gesünder denn je.

Berger Mühle in der Gegenwart

Nicht nur wir Berger und unsere Vorfahren, auch die unserer Nachbargemeinden und darüber hinaus waren geschäftlich oder privat irgendwann und wie einmal Gäste oder Besucher der Berger Mühle.
In den ersten Jahrhunderten war Berg’s Mühle weit überwiegend oder gar nur eine Kundenmühle für die Getreidebauern der Bienwald- und Rheingemeinden, dann aber auch für das Unterelsaß und eine Reihe badischer Orte; letztere erreicht über die Lauterburger Rheinfähre.

Erinnerungen:

Unsere Generation hat es selber noch erlebt, wie die Kunden per Kuh- oder Pferdegespann nach Berge kamen, um ihr Getreide in Mehl für den häuslichen Bedarf umzutauschen. Das waren in jener Zeit die Gutsituierten. Wir wissen aber auch um jene armen Kunden, die nicht nur in den sogenannten guten alten Zeiten, sondern auch in späteren Jahrzehnten per Fuß, Fahrrad oder einfachem Karren mit einem „Stümpel“ Getreide angerückt kamen, um als Gegenleistung einige Pfund oder Kilo Mehl mit nach Hause zu nehmen. Das waren jene, die aus Not und Armut auf dem Felde Ähren gesammelt, diese daheim körnerrein gedroschen und dann zur Mühle gebracht haben. Für sie war dieses eingetauschte Mehl in ihrem Daseinskampf für kurze Zeit das tägliche Brot. So mancher von denen konnte nicht den geringen Mahlpreis in bar bezahlen, weil er keine 50 Pfennig reich war. Heute gibt es gottlob diese Gruppe von Habenichte nicht mehr. Wir erinnern uns weiter an die schweren Kriegs- und ersten Nachkriegsjahre 1939 -1948, als die sogenannten A und B -Bauern (so damals ihr amtlicher Name) mit ihrer Mahlkarte zur Mühle kamen, um wenigstens für einen Teil ihrer selbsterzeugten Ernte die Gegenleistung in Kleie, Vorlauf und Backmehl zu erhalten. Wer 1914-18 miterlebte und noch in Erinnerung hat, weiß, daß jene Kriegs- und Nachkriegsverhältnisse eher noch schlimmer waren. Schwarzmahlerei hat es schon immer gegeben, aber die war dann ein gewisses Risiko fur Mühle und Kunde.

Wer erinnert sich nicht an den ehemaligen Eingang an der Mitte der Gebäudefront zur Straße hin mit der Doppelflügeltür und einer Vierstufentreppe nach unten ins Innere. Der Mühleboden im Parterre der Mühle lag seinerzeit ein Meter unter der heutigen Hofhöhe.

Wie mancher, besonders die Jugend, hat einen Moment benutzt, am hinteren Ausgang zum Mühlenbach (Wieslauter) den Gumpen, wie wir ihn nannten, und die zwei großen Mühlräder zu bestaunen, die der Lauter die Wasserkraft entnahmen und sie nutzbringend über die Turbine an den Mühlenbetrieb weitergaben.

Wer von uns denkt nicht zurück an den von zwei schweren Pferden gezogenen Mühlwagen, der jede Woche dreimal von Dorf zu Dorf, von Straße zu Straße fuhr um bei der Kundschaft Frucht zu laden oder Mehl auszuliefern. Für Mann und Roß war es immer eine volle Tagestour, die in der Frühe begann und in den späten Abendstunden endete. Angekündigt hat sich der Mühlwagen durch das Geläute der am Hals der Pferde oder an der oberen Längsstange des Wagens angebrachten Glocken; ein Stück romantischer Umwelt, die der Vergangenheit angehört.

Wer hat noch in Erinnerung die große Dezimalwaage im Parterre der Mühle, als der „Müllaz“ (richtiger Name Mühlarzt) nach jeder Wiegung als Kontrolle einen weißen Kreidestrich an der Wand oder wo sonst anbrachte. Ein Müllaz war der gelernte Müller.

Es ließen sich noch weitere auf unserer Mühle bezogene Erinnerungen aufzählen.

Betriebliche und bauliche Veränderungen:

Die innere Konstruktion und das äußere Schaubild haben sich in den letzten 20 Jahren um 180 Grad gewandelt. Der einstige Produktionsablauf wurde von der Technik förmlich überrrollt. Modernisierung und Rationalisierung haben neue Maßstäbe gesetzt, Investitionen haben eine Menge Geld verschlungen, ohne daß es darin einen Stillstand zu geben scheint. Vermahlungs- und Lagerungskapazitäten haben Dimensionen, die mit den früheren nicht vergleichbar sind. Die Frage, welcher Kategorie die Berger Mühle zuzuordnen ist, läßt sich nicht nach Fläche und Etagen beantworten, sondern ist in erster Linie im Leistungsvermögen zu suchen. Beträgt heute ihre Lagerung für Getreide 2600 Tonnen und weiß man auch, daß ihre tägliche Vermahlungskapazität früher bei 6 t lag, heute aber in 24 Betriebsstunden insgesamt 42 Tonnen umfaßt, so ist mit diesen drei Zahlen alles gesagt. Schalthebel, Druckknöpfe und gut geschulte Müller regulieren den Produktionsablauf. Gefüllte Mehlsäcke wandern unterirdisch zum 15 m entfernten Lager, Getreide zu den zwei Hochsilos über die Straße. Die Pneumatik ist an die Stelle des erst vor Jahren installierten Elevatorensystems getreten. Es wäre fast vermessen, den Versuch zu machen, alle Präzissionsmaschinen mit angegliederten Labor usw. in Form einer Betriebsbeschreibung in diesem Rahmen begreifbar zu schildern. Mit einem Wort: Die dreihundert Jahre alte Mühle ist im Innern zu einer neuen, auf den heutigen Stand der Technik entwickelten Mühle modernisiert worden.

Wie leicht hätte der Vorbesitzer Hans Berizzi dem Angebot des Staates verfallen können, den eingeleiteten Mühlen-Stillegungsaktionen folgend, gegen eine wahrscheinlich hohe Abfindungsumme die Mühle für sich, seine Nachkommen, aber auch für Berg aufzugeben! Doch er war sich seiner Tradition bewußt und hat davon keinen Gebrauch gemacht. Ganz im Gegenteil: Von unternehmerischem Geist und Mut geleitet, hat er die Mühle zu dem gebracht, was sie heute ist.

Ähnlich der inneren Umgestaltung verhält es sich auch mit dem äußeren Gewand der Mühle. Zwar ist das Mühlengebäude mit seinem Doppelmansardendach und den zierlichen Dachluken im Großen und Ganzen unverändert geblieben, denn über die unter Denkmalschutz stehende Mühle wacht streng der Speyerer Landeskonservator. Dagegen ist die unmittelbare Nachbarschaft eine ganz andere geworden: Sie ist umsäumt von einem westlichen Lager, den beiden östlichen Hochbauten und den zwei nördlichen über der Straße errichteten Hochsilos. Alles war diktiert von einem zwingenden Betriebserfordernis. Gerne hätte der Inhaber für diese Bauten einen anderen Standort gewählt, doch das rückwärtige Betriebsgelände mit der auf der Wieslauterinsel drohenden Überflutungsgefahr ließ eine Ausweitung nach einer anderen Richtung aus Kostengründen einfach nicht zu.

Den wirtschaftlichen Nutzen der Silos und Hochbauten hat nicht nur die Mühle, er kommt gleichzeitig auch den aus nah und weit, teils den vom Feld aus mit ihrer Getreideernte anfahrenden Landwirten zu gute; im Gegensatz zu früher ist die heutige Gedreideablieferung ein Vorgang von nur wenigen Minuten. Die Mühle hat keinen speziellen Firmennamen wie so mach andere. Vielmehr hat sie seit vielen Jahrzehnten den immer gleichen, alles besagenden, nicht von den Bergern, sondern von den umliegenden Ortschaften geprägten Namen, den keine Juri hätte besser auswählen können. Sie trägt seit eh und je den wohl einfachen wie schönen und prägnanten Namen, den man ihr geben konnte:

Die Berger Mühle.

Dieser Text stammt aus der Ortschronik von Ludwig Stehle (1980)
Bearbeitet von Dr. Hans-Peter Meyer und Joachim Möller (2001)

Anmerkung: Die Geschichte der Berger Mühle ist seit der Veröffentlichung der Berger Ortschronik noch länger geworden. Leider ist die Mühle mittlerweile geschlossen und der Betrieb ruht.