Schloss

Das Berger Schloß

Von der Entstehung des Berger Schlosses wissen wir leider nichts über seine Zerstörung aber alles.

Wir finden das Berger Schloß ebenso in der Chronik „700 Jahre Jockgrim“ 1965, wie in der Geschichte der Stadt Lauterburg von Pfarrer A. Meyer,1898. In Letzterer heißt es: „Am 7. September 1793 feuerten die Franzosen aus Lauterburg auf das unweit vom Dorfe Berg gelegene Schloß der Familie Schwarz. Die glühenden Kugeln entzündeten die beim Schloß befindliche mit Heu und Stroh gefüllte Scheune, welche ein Raub der Flammen wurde. Am folgenden Tag machten die Franzosen wieder einen Ausfall nach Berg, wobei sie (diesmal) das gesamte Schloß mit Feuerkugeln in Brand steckten. Am 9. September griffen sie die Vorposten in Berg an. Auf beiden Seiten wurde heftig gekämpft. Ganz Berg war in Angst und Bestürzung. Einige Häuser und Scheunen gingen in Flammen auf.“ Michael Frey erwähnt zum gleichen Thema in seiner Rheinkreisbeschreibung 1837 folgendes: „Unweit Berg gegen Lauterburg hin und auf dem Hochufer des Rheins erhob vor der französischen Revolution ein der Familie Schwarz zuständiges, niedliches Landschlößchen zu drei Stockwerken sein Haupt und gewährte die herrlichste Aussicht nach allen Seiten und in die Ferne. Es wurde aber durch die Franzosen im Jahr 1793, als der Verteidung der, bis hierher sich vom Wasgau herabziehenden Linien hinderlich auf geschehene Mahnung niedergeschossen.“

Die Pfarrchronik beschreibt die Lage des Schlößchens ähnlich, wenn auch mit einer Nuance: „Die Vorfahren waren von Adel und Besitzer eines Schlosses auf der Hohe oberhalb der Ziegelbrücke, jenseits des Friedhofs“.

Baron de Bertrand de Feral de Schwarz hat als Nachkomme aus Frankreich am ursprünglich sehr reich und fromm gewesen sein. Sie ließen eine Allee (Weg) bauen, die Kirche und Schloß miteinander verbanden. Von den Gräbern ist in Berg nichts mehr geblieben, weil der alte Friedhof, der die ursprüngliche Kapelle umgab, für die Vergrößerung der Kirche weichen mußte.

Nach dem Beschuß des Schlosses durch die Franzosen und dessen Zerstörung durch Brand flohen die vielen Schloßbewohner in die Häuser im Dorf Berg.

In den Kellern des Schlosses fand man gegen 1890 bei Ausgrabungen noch Wein. Bei Bedarf holte man dort immer noch Steine.

Das Schloß lag an der Lauter auf einer Anhebung außerhalb von Berg und besaß einen schönen Ausblick auf das Tal, das es beherrrschte.“

Nach all dem kann man mit hoher Wahrscheinlichkeit sagen, daß des Schlsses Standort links oben auf der Hohl, in der heutigen Sackgasse der Rosengärtenstraße lag.

Marschall Alexander von Schwarz

Das Berger Schloß hatte mehrere Schloßherrn. Einer von ihnen war kein geringer ald Alexander von Schwarz.

Lebensbeschreibung: Alexander von Schwarz ist am 15.4.1719 auf dem Schloß Berg geboren. Durch Abstammung war er Adeliger, druch seine Dienste und Vedienste, Leistungen und Erfolge, hat er es zum Ritter, Baron, General und Marschall gebracht.

Er entstammt einer alten, im 16. lahrhundert aus Schlesien in unsere Pfalz gekommenen Adelsfamilie. Seine Eltern hießen Alexander Wilhelm von Schwarz und Hippolypte von Lutzow.

Alexander von Schwarz blieb ledigen Standes.

Das blaue Soldatenblut floß gewissermaßen als Erbstück in seinen Adern. Allein so ist es wohl zu erklären, daß er mit 14 Jahren als Freiwilliger in dle Kompanie der Dragoner von Rhomberg eintrat und bereits ein Jahr später, 15jährig, zum Leutnat ernannt wurde.

ln den Jahren 1738 – 1744 stand er nacheinander als Offizier in den Diensten Österreichs und Bayerns, später in denen von Frankreich; ein Spiegelbild jener polltischen und geographischen Zeit in Europa.

In Bayern ging er mit dem Regiment der beritteneen Grenadiere in die Schlacht von Haag. Als Handstreich auf Burghausen hatte er den militärischen Auftrag übernommen, mit 30 Mann dem Feind den Übergang über die Salzach-Brücke/Bayern zu verwehren und anschließend ein Gebäude zu erstürmen, in dem sich der Femd verschanzt hatte. Die erfolgreiche Tat brachte ihm die Glückwünsche des Generalfeldmarschalls, Prinz von Hilburghausen, ein und das Versprechen auf Beförderung.

Für Alexander von Schwarz muß es eine unruhige Zeit gewesen sein. Von 1742 – 1744 hat er seine berittenen Grenadiere von Bayern aus nach Prag, Rosenhelm, Wending, Neckarsulm, Philippsburg, Hegnau, Naubaiern und Landberg/Lech geführt und, wie es sich eines tapferen Offiziers vom Schlag eines Alexander von Schwarz geziemte, an allen Aktionen teilgenommen.

Seine Zuständigkeiten änderten sich; am 16.10.1745 erhielt er die Befehlsgewalt über eine Husarenkompanie des Regiments von Fenary, diente als Hauptmann der Husaren von Bercheny, trat am 16.3.1757 ins Königlich-nassauische Kavallerie-Reglment ein und wurde hier am 8.7.1757 zum Hauptmann „en pied“ ernannt. In diesem Chorps hat er sich besonders ausgezeichnet und wurde in Anerkennung dessen am 22.12.1757 zum Oberstleutnant befördert .

Am 15.7.1758 erhielt er den Grad „Feldmeister der Kavallerie“ und noch am 2.12. des gleichen Jahres das Ritterkreuz von Samt-Louis.

Der Prinz von Nassau stellt dem Offizier Alexander von Schwarz das günstigste Zeugnis aus. Er ist der erste Hauptmanenn wird er für seine außergewöhnlichen Fähigkeiten mit Ehren überschüttet. So zum Beispiel: „Alexander von Schwarz ist Befehlshaber der leichten Kavallerie deren Beweglichkeit und Kühnheit seiner abenteuerlichen Unerschrockenheit entsprachen“. Selbst Marschall von Saxs, aus persönlichem Haß gegen die von Platen (Alexander v. Schwarz gehörte blutsverwandt zu den Platen) hat nicht gezögert, die hervorragenden Dienste von Alexander von Schwarz uneingeschränkt anzuerkennen.

Doch schien er auch seine Gegner gehabt zu haben So hat ihn der Marquis von Chamborant, Oberst und Eigentümer des Husarenregiments für die Notwendigkeit zur Auflösung der Nassauer Husaren, die in Friedenszeiten zur Disziplinlosigkeit neigte, sonst aber eine verdienstvolle Truppe war, teilweise verantwortlich gemacht Gegen diese Anschuldigung wendet sich der Marschall Herzog von Broglie, der an den König von Paris schreibt: „Die langen und wertvollen Dienste eines hervorragenden Offiziers verlangen, daß ihm eine solche Erniedrigung erspart bleibt.“ Über Alexander von Schwarz liegt folgende Episode vor „In dieser Zeit des siebenjährigen Krieges, nach der Niederlage von Minden wird er in einem Bauernhaus beim Frühstück von 7 preußischen Reitern überrascht und aufgefordert, sich zu ergeben. Er macht vier Reiter mit seinen zwei Pistolen kampfunfähig, die restlichen drei ergaben sich vor Schreck.

Im Jahre 1758 wurde Oberstleutnant von Schwarz in Kelkirchen verwundet, in den späteren Auseinandersetzungen zwischen 1757 und 1762 noch einige mal, 1762 sogar schwer. Über seine Gesamtdienstzeit liegt eine lakonische Feststellung vor die mehr aussagt, als große Untersuchungen „hat sich ausgezeichnet, sehr tapfer im Krieg mit Wunden übersät.“

In der Friedenszeit gab sich Baron von Schwarz der Ruhe hin, aber in Wirklichkeit entsprach dieses inaktive Leben weder seinem glühenden Rittergeist noch seinem unanhänigen Charakter, ebensowenig liebte er den schablonenhaften, dazu von Ehrgelz und Intrigen begleiteten Garnisionsdienst.

Am 16. November 1759 unterzeichnete Maximilian Josef, Herzog von Ober- und Unterbayern, Pfalzgraf und Elektor des heiligen römischen Reiches deutscher Nation in seiner Residenz in München das Offizierspatent, das Alexander von Schwarz, Oberst des Reglments der Husaren von Nassau-Saarbrücken aus seinem alten Adelsstand in den Rang eines Barons des heiligen Reiches erhob; mit ihm auch seinen Bruder Franz-Xaver von Schwarz, deren 4 Vorfahren und die heutigen und zukünfigen Nachkommen männlichen und weiblichen Geschlechtes in der absteigenden Linie. Mit diesem Titel wollte man nicht nur die Brüder Alexander und Franz-Xaver, sondern auch deren Vorfahren als Repräsentanten einer alten Adelsfamilie für ihre hervorragenden militärischen und zivilen Dienste belohnen. Zu diesen nachweisbaren Funktionen zählte insbesondere zweimal auch das Amt eines Oberrichters in Lauterburg/Elsaß. Als besonders interessant und erwähnenswert verdient die Tatsache festgehalten zu werden, daß die beiden Offiziere Alexander und Franz-Xaver von Schwarz durch ihre Persönlichkeit erreichen konnten, daß der Ort Lauterburg das Stadtrecht erhielt. Dies würdigend hat Berg mit Lauterburg und umgekehrt zweifellos eine gemeinsame hystorisch-geschichtliche Vergangenheit, derer wir uns freuen und auf die wlr als Grenzgemeinde auch stolz sein dürfen.

Aber-so entnommen der Zeitschrift „La Vie en Alsace“ Ausgabe 1937 Nr. 4 – um wahrhaftig zu bleiben, muß hinzugefügt werden, daß die Familie von Schwarz zu einem Gebiet wo die Grenzen fließend und die Nationalität unsicher waren, Frankreich und Bayern, in gleicher Weise diente.

Eben diese politische und nationalitäten-unsicheren Zeitverhältnissen dürften der bestimmende Anlaß gewesen sein, daß mit Alexander die Familie von Schwarz endgültig in ranzoslsche Dienste trat und durch die Annexion der Gegend von Landau auch die französische Nationalität erwarb. Am 20.4.1768 erfolgte die Ernennung zum Brigadegeneral. Für ihn persönlich war der Zeitpunkt gekommen, sich ganz nach Berg zurückzuziehen. Für Alexander von Schwarz beginnt ein neues Kapitel. Die ihm von König Ludwig XV am 19.6.1768 zuerkannte Pension betrug 1200 Pfund. Dagegen kämpfte er an. Um seine ihm zustehende Pension von 4200 Pfund zu bekommen, setzte er in einer interessanten Schrift an seine Majestät in Paris auseinander, welch große Aufgaben er im Dienste des Königs hatte. Unter anderem wies er nach, daß er seine erste Kompanie für 34000 Pfund und eine zweite fur 30000 Pfund erworben, zusammen also im Dienste seiner Majestät 64000.- Pfund geopfert habe. (Anmerkung: In der Währung von 1737 entsprachen diese 64 000 Pfund einem Wert von 1,5 Millionen Franken).

Er hatte Erfolg. Er bekam zwar für die geltend gemachten 64000 Pfund keine Entschädigung, jedoch die ihm rechtens zugestandene Vollpension mit 4200 Pfund. Darüber hinaus wurde er außerdem am 1.3.1780 zum Feldmarschall ernannt, dle höchste Auszeichnung für einen verdienten Offizier.

In seinen letzten Jahren hatte der Baron, Ritter und Marschall auf seinem Schloß in Berg nur noch eine einzige Beschäftigung: Die Zukunft seiner beiden Neffen Franz-Anton und Franz-Xaver, aus denen er der Tradition gemäß ebenfalls tüchtige Offiziere machen wollte. Dieses Ziel hat er an beiden erreicht.

Erreicht hat er aber auch sein eigenes irdisches Lebensziel. Mag er an vielen Schlachten teilgenommen und viele Siege errungen haben, den letzten Kampf mit dem Tod hat er verloren. Marschall Alexander von Schwarz, Baron des heiligen Reiches, starb am 15.12.1787 auf dem Schloß zu Berg. Seine Sterbeurkunde im Bischöflichen Ordinariat zu Straßburg trägt folgenden Vermerk: Heute am 15.12. 1787 entschlief im Herrn zu Berg, wohlversehen mit den Sterbesakramenten der Kirche der Hochwohlgeborene Herr Alexander, Baron von Schwarz, 68jährig, und wurde auf dem Friedhof der Kirchengemeinde von Lauterburg beerdigt, wie mir von den anwesenden Zeugen schriftlich bezeugt wird.“

General Franz-Xaver von Schwarz

In der Lebensbeschreibung des Schloßherrn Marschall Alexander von Schwarz steht zu lesen, daß er in seinen letzten Lebensjahren nur noch eine Beschäftigung hatte: Die Zukunft seiner beiden Neffen.

Der eine war Neffe Franz-Xaver von Schwarz.

Seine Lebensbeschreibung: Franz-Xaver von Schwarz ist am 8. Januar 1762 in Hernwies/Baden geboren als Sohn von Franz-Xaver, ehemaliger Leutnant der berittenen Grenadieren von Bayern, späterer Gutsverwalter des Herzogs von Bayern. Er war das neunte von zehn Kindern, von denen die meisten in jungen Jahren starben.

Auch Franz-Xaver hat eine Militärkarriere gemacht wie sein berühmter Onkel Alexander. Durch des Marschalls Vermittlung wurde Franz-Xaver bereits mit 7 1/2 Jahren bei der Königlich-Nassauischen Kavallerie als Freiwilliger eingeschrieben und auch er, ebenfalls wie Marschall Alexander am 12.7.1776 mit 14 Jahren als Edelmann-Kadett in das Regiment der Chamborant-Husaren aufgenommen.

Am 25.1.1792 erfolgte seine Beförderung zum Leutnant, am 12.6. des folgenden Jahres die zum Hauptmann. Mit dem 2. Husarenregiment nahm er 1792/93 an den Operationen der Mittel- und Nordarmee teil, im August 1793 an der Ardennenschlacht und im Juni 1794 an der Schlacht von Sambre und Mosel.

Zum Schwadronenschef befördert am 21.3.1795 diente er in den Armeen von Deutschland, dann von Mainz (1797-1798) und nahm mit seinem Regiment an allen Schlachten teil. Dazu bestimmt, an der in Brest vorbereiteten Expedition gegen England teilzunehmen, schiffte er sich auf dem Dampfer „Le Hoche“ ein, geriet aber trotz Widerstand am 15.10.1798 in Gefangenschaft .

Der Versuch, in Irland an Land zu gehen, schlug fehl. 1799 im Austausch seine Freiheit wieder erlangt, sollte er nach Absicht des Kriegsministers den Grad eines Oberst im Stab erhalten. Er lehnte dies indessen mit viel Feingefühl ab und bot sich an, seinen Dienst bei den leichten Truppen in der Armee fortzusetzen. Zwei seiner übergeordneten Generale schlossen sich seinem Wunsch an, bestätigten sein militärisches Talent und schlugen gleichzeitig die Ernennung zur Führung der Fünfer-Husaren vor. Prompt folgte für ihn am 3.9.1799 die Ernennung zum Brigadegeneral. Er konnte sein Corps 6 Jahre lang befehligen und an dessen Spitze die größten Erfolge erzielen. In der Rheinarmee zeichnete er sich bei einer Reihe von Kämpfen aus, am 25.4.1800 in Wiesen, am 5. Mai in Engen, am 9.5. in Biberach und am 3. Dezember 1800 bei Hohenlinden. So hoch seine soldatischen Fähigkeiten im Kurs standen, so wenig lag ihm die Administeration, die aber eben mal dazu gehörte und die Führung elnes Corps zwangsläufig mit sich brachte. Wie sein Onkel Alexander war auch er weder ein Freund des Papierkrieges noch des monotonen Lebens in der Kaserne. Er unterordnete sich schwerlich der Disziplin einer Garnision. Und deshalb brachte ihm auch die sozusagen schwache Führung in Friedenszeiten eine strenge Rüge des Generals Ney (der zukünftige Reichsmaschall, Herzog von Elchingen, Prinz von Großmoskau) ein, der bei einer Truppeninspektion ein Nachlassen der Disziplin im Reglment zu beobachten glaubte. Des Brigadegenerals Karriere schien ein Ende zu nehmen. Doch schon bald darauf konnte Franz-Xaver von Schwarz seinen Generalmspekteur Lüge strafen. Durch seine Leistungen in der Verwaltung und hervorragende Dienste während der Revolutionskriege warf er alles in die Waagschale und konnte seine Position absolut sichern. Von Schwarz blieb an der Spitze der Husaren.

Der weitere Erfolg daraus war, daß er am 10. Primaire des Jahres XII (10.12.1803) in die Ehrenlegion aufgenommen und am 15. Juni zum Offizier der Ehrenlegion ernannt wird.

Sein Stern stieg wieder. Mit seinen Fünfer-Husaren nimmt er teil an der Schlacht von Austerlitz und führte sein Regiment zehnmal hintereinander gegen die Artillerle, die die Hochebene von Pratzen besetzt hielt. Der Anteil seiner Husaren am Erfolg des Tages war so groß, daß ihn Kaiser Napoleon I am 25.12.1805 zum Kommandeur der Ehrenlegion ernannte.

Nach vorausgegangenen Schlachten in Preußen und Polen (Zehdnik 26.10.) forderte er den General von Romberg, Gouverneur der Stadt Stettin zur Kapitulation auf; dieser öffnet die Tore der mit 6000 Mann und 160 Kanonen stark besetzten Garnision Nach diesen Großartigen Kriegserfolgen ergingen an Brigadegeneral von Schwarz über seinen Befehlshaber Murat, Großherzog von Berg und Kleve (an der holländischen Grenze) durch den Kaiser folgende Zeilen: „Da Ihre Husaren alle Festungen nehmen, bleibt mir nichts anderes übrig als meine Pioniercorps zu entlassen und meine schwere Artillerie einzuschmelzen.“

Am 26.12.1806 ist von Schwarz nach schweren Gefechten in der Schlacht von Golymin dabei, sein Regiment, das im Begriffe war, Reißaus zu nehmen, unter Feuerhagel der Gegenseite wieder fest zusammenzufügen. Vier Tage spater, am 30.12.1806 wird er zum General ernannt. Bei diesen Kämpfen – so eine Schilderung aus jenen Tagen, wollte General Lasalle Selbstmord begehen, als er nach der Schlacht von Weißensee durch den Kaiser getadelt wurde; von Schwarz hat ihn, seinen Vorgesetzten daran gehindert. Demnach hatte von Scharz neben seinen militarischen auch hohe menschliche Qualitäten.

Ende des gleichen Monats erfuhr er in Warschau, daß ihm die Hand einer jungen Witwe, die aus einer der großen lothringischen Parlamentarier-Familien stammte, angeboten worden sei. Eiligst begab er sich nach Metz, um dort als 45jähriger am 4. Juni 1807 in dieser Stadt Maria Franziska von Simony zu heiraten.

Seine Flitterwochen waren kurz. Bereits am 24.7.1807 wurde er in das Scheldebeobachtungscorps nach Gand kommandiert. Dort erhielt er das Kreuz zum Militärorden von Bayern, eine Auszeichnung, die ihm seine bayrische Abstammung doppelt angenehm machte, wahrscheinlich später aber gegen ihn negativ mitspielte.

Am 9. März 1808 hat Napoleon ein Dekret unterzeichnet, das dem General von Schwarz den Titel Baron des Kaiserreiches zuerkannte und mit 4000 Franken dotiert war. Die Kunde von der Erhebung in diesen hohen Rang erreichte den General in Spanien. Am 5. Juni 1808 wird er von Barcelona abkommandiert, um Erkundigungen auf dem Montserrat einzuholen. Mit dem Risiko, eingekesselt zu werden, mußte er sich durch verbarrikadierte Dörfer und versperrte Straßen nach Barcelona zurückziehen. In Asperaguerra, so wird berichtet, mußte er Schritt für Schritt einen geharnischten Kampf liefern; Zivilisten schossen aus den Fenstern, Frauen und Kinder warfen aus den Dächern Steine und kochendes Öl auf die Köpfe seiner Soldaten

Anschließend wurde der General zum 7. Corps der Spanien-Armee versetzt. Hier hat man ihm eine Brigade deutscher Truppen von Sachsen und Nassau anvertraut. Mit diesen war er in eine unglückliche Affaire von Manressa verwickelt, deretwegen er am 6.4.1810 zur Tagesordnung zitiert wurde.

Der ganze Monat September stand im Zeichen sich ständig wiederholender Operationen im Raum Tortose, Tarragona, Hostalrich, Gerone und Bisbal. Gegnerischer General war O. Donnel. Dieser drängte die Truppe von Schwarz trotz äußerstem Widerstand auf die Zitadelle von Bisbal zurück und damit war von Schwarz eingeschlossen. Trotz der schweren Verluste weigerte sich General von Schwarz sich zu ergeben Sein Gegner wurde bereits beim ersten Angriff verwundet.

Als General von Schwarz einer zehnfachen Übermacht lange Zeit Widerstand geleistet hatte, sah er sich doch zu dem Schritt gezwungen, zu kapitulieren, konnte aber unter den üblichen militärischen Ehren die Garnision verlassen. 200 Soldaten und Offiziere sind gefallen oder wurden verwundet.

Für General von Schwarz gab es entgegen der zunächst guten Behandlung nun eine schwere Demütigung. Die Spanier haben nämlich von Schwarz wie einen Sklaven an denselben Wagen gebunden, in dem sich der verwundete Gegner, General O. Donnel befand und der auf diese Weise seinen triumphalen Einzug in Tarragona hielt.

Von Tarragona aus wurde General von Schwarz nach England verbracht, interniert, und bis 17. Mai 1814 gefangen gehalten. Nach Frankreich zurückgekehrt, begann sich sein Stern zu verdunkeln. Er wurde zwar nochmals aktiv, aber ohne Glanz. Einmal erhielt er nicht einmal mehr den von ihm erbetenen Befehlsposten.

Vorgesetzte und andere Generäle standen ihm im Weg. Die Tatsache, daß er im Kaiserreich gedient hatte, wurde ihm nicht angerechnet. Wenn er nach Waterloo noch hoffen durfte, einen Oberbefehl zu erhalten, so wurden ihm alle Illusionen rasch genommen. Als Folge von Verdächtigungen, die sich gegen ihn noch verstärkten, nachdem die Burbonen wieder ans Ruder gelangten, wurde er in Pension geschickt. Noch mehr: Er mußte sofort Paris verlassen. Überwacht von der Polizei, zog er sich nach St. Ruffine bei Metz zurück. Jede Reise wurde kontrolliert, jedes Wort bespitzelt. Dennoch erhielt er am 18.8.1818 von der neuen Regierung das St. Ludwigskreuz verliehen.

General Franz-Xaver hatte die große Freude, daß ihm am 23.2.1820 er war zu diesem Zeitpunkt immerhin ein 58er sein einziger Sohn geboren wurde, dem er seinen Namen weitergab. Am 9. Oktober 1826 starb von Schwarz in St. Ruffine. Dort ruht er auf dem Friedhof dieses kleinen lothringischen Dorfes, das seine Heimat geworden war.

Als er kurz vor seinem Tod noch einmal einen Blick auf sein ganzes Leben warf, konnte er von sich zu seinen Nächsten sagen: Ihr könnt in alle Länder gehen, in denen ich Krieg geführt habe Ihr findet niemanden dort, der mir Feind wäre. Und dieser Mann und General hat in seinen Jugendjahren in Berg auf dem Schloß von Schwarz gelebt; er war ein Berger.

Suchaktion nach einem Schloßbild

Nach den Lebensbeschreibungen der beiden Generale sollte das Kapitel Berger Schloß“ als abgeschlossen gelten, nachdem nirgends weitere Unterlagen aufzüspüren waren. Doch ich war fortan von dem Gedanken geplagt, daß die bisherige Schloßbeschrelbung nur ihren halben Wert habe, solange sie nicht mit einem Bild ergänzt ist.

Lange Zeit stellte ich mir die Eigenfragen: Wann, Wer, Wie, Wo. Bei mir selbst wurde eine schwache Erinnerung wach, daß ein Baron von Schwarz vor etwa 15 Jahren zurück beim Standesamt Berg eine Reihe von Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden über seine Berger Ahnen einholte; wie ich mich auch zu erinnern wußte, daß ich seine beiden Schreiben, das eine aus Paris, das andere aus Rom, aufbewahrte, oder wie man es in der Amtssprache auszudrücken pflegt, registrierte. Tage- ja wochenlanges Suchen in der Gemeinderegistratur blieb ohne Fund, bis ich zufällig beide Schreiben in meinem Privatarchiv in dem Akt „Vereine und Parteien“ entdeckte. Jetzt begann des Schloßbildes wegen eine zweijährige Aktivität.

Meine ersten Schreiben vom 7.4.1976 waren an die alten Anschriften aus 1963 nach Paris und Rom gerichtet. Wie befürchtet kamen beide Briefe mit dem postalischen Vermerk „Unzustellbar“ zurück. Mein nächstes Schreiben ging an die polizeilichen Meldebehörden der Städte Rom und Paris. lch wollte Zug um Zug durch Anragen bei allen späteren Meldebehörden auf die heutige Anschrift stoßen.

Während Paris die Auskunft gab, daß Baron de Schwarz schon 1963 nach Unbekannt verzogen sei, blieb Rom die Nachricht schuldig, ohne aber, wie wir noch lesen werden, untätig geblieben zu sein. Mein nächster Weg führte mich zum französ. Konsulat in Mainz und zur französ. Botschaft nach Bonn. Mainz erwiderte, daß Baron de Schwarz 1963 aus dem französischen Diplomatendienst ausschied und verwies mich an eine Zentral-Auskunftstelle in Paris, die untergegangene Anschriften vermittelt. Natürlich habe ich mich dorthin gewandt, allerdings je ohne etwas von da zu hören.

Zwischenzeitlich, am 22.9.1977, bekam ich vom Bundeskriminalamt Wiesbaden über, Interpol“ das von Rom aus eingeschaltet worden ist, ebenfalls eine negative Nachricht. Alle eingeschlagenen Wege meiner Suchaktion hatten das Ergebnis Null, ich gab auf.

Die Anschrift des Barons lag auf dem Kirchberg. Eines Vormittags, am 8.8.1977 begegnete ich, wie schon so machmal, zwischen der Sparkasse und Post unserem Ortspfarrer Kuntz. Ihm, der mich nach dem Stand der Ortschronik fragte, konnte ich mein Leid um die unauffindbare Anschrift des Barons klagen. Seine Antwort:

„Die hab ich, voriges Jahr fand ich sie nach meinem Urlaub im Hausbrieflkasten, der Baron war in meiner Abwesenheit sicher in Berg“. Für mich wie ein Blitz aus heiterem Himmel.

Bereits am nächsten Tag, Dienstag den 9.8.1977 ging mein 1. Brief in deutsch an das Barons Schloß nach Südfrankreich. Am 28.12.1977 wiederholte ich meine Bitte, diesmal in französisch. Weil ich wiederum ohne Antwort blieb, trieb es mich zum Bürgermeister und Generalrat Hemmerle der Stadtverwaltung Lauterburg, von der ich weiß, daß ihre Türen für mich jederzeit offen sind, wenn ich ein Anliegen habe. Mit Erfolg. Am 8. April 1978 erhielt der Lauterburger Bürgermeister von seinem Amtskollegen aus EVERCY Auskunft darüber, daß der Baron auf Schloß „Chateau de Belval“ lebt, er mit dem Baron über die Angelegenheit gesprochen und ihn gleichzeitig gebeten habe, mit Berg briefliche Verbindung aufzunehmen. Es ging ja einzig um das Berger Schloßbild. Da wiederum eine Antwort ausblieb, wandte ich mich am 5. Mai 1978 an einen anderen mir persönlich bekannten Freund in Lauterburg. Er übersetzte meinen Text ins französische, fügte sogar eine Freicouvert bei und sagte dazu, jetzt muß der Baron aus Etikette antworten. Seine Prophezeihung trat prompt ein, denn am 18.7.1978 erhielt ich vom Baron ein ersehntes Lebenszeichen, er entschuldigte begründet sein langes Schweigen, bedankte sich gleichzeitig und versicherte, daß er sich im Sinne meines Wunsches bemühen werde. Leider ließ er mich am 21.10.1978 wissen, daß seine Bemühungen ohne Erfolg blieben. Meine Hoffnungen, den Bergern das Schloß zu zeigen und die Heimatkunde unserer Grundschule um diesen Stoff zu bereichern, hat sich als trügerisch erwiesen. Trotz Geduld kein Erfolg – trotz Fleiß kein Preis.

Wenn Sie jetzt die Frage auf der Zunge haben sollten, warum ich so ausführlich auf die Sache eingegangen bin, so allein deshalb, um Ihnen zu beweisen, wie mühsam und zeitraubend es sein kann, ein Dokument aus 200 jähriger Vergangenheit „Auszugraben“, oder wie ein solcher Fall zum Problem werden kann. An Stelle des Schloßbildes hier nun die Bilder der zwei aus dem Berger Schloß hervorgegangenen Generale.

Deutung über „Burg und Schloß“ Bergen

Das Kapitel „Berger Schloß“ wurde damit begonnen, daß es über seine Entstehung keinerlei Anhaltspunkte gibt. Eine kleine Spur von Verbindung könnte immerhin herauskristallisiert werden, ein Zusammenhang nämlich mit der im Beitrag „Geschichtlicher Rückblick“ vorkommenden „Burg Bergen“ eines Wezelo von Bergen vom Jahr 1197.

Von der Bauseite her sind eine Burg und ein Schloß eng miteinander verwandte Objekte. Schon aus dieser Sicht kann die leise Vermutung nicht unterschlagen weren, daß in unserm Fall die Beiden identisch sind. Geht man weiterhin von der wiederum vermuteten Annahme aus, daß die Familie von Schwarz das Schloß nicht selbst gebaut, sondern vielleicht käuflich erworben hat, ist der aufkommende Gedanke nicht ganz auszuschließen, daß die anno 1197 genannte Burg Bergen und das am 7. September 1793 durch Kriegshandlungen zerstörte Berger Schloß etwas miteinander zu tun haben.

Ob nun Vermutung, Annahme, Kombination oder Gedankenspiel: Mangels authentischer Daten läßt sich eine Beziehung zwischen der Burg und dem Schloß nur als Frage in den Raum stellen und muß als ungelöste Frage offen bleiben.

Dieser Text stammt aus der Ortschronik von Ludwig Stehle (1980)
Bearbeitet von Dr. Hans-Peter Meyer und Joachim Möller (2001)